Frau Präsidentin/ Herr Präsident,

verehrter Kolleginnen und Kollegen,

Ende 2014 waren in Deutschland PV-Module mit einer Nennleistung von ca. 38,5 GW installiert, verteilt auf ca. 1,4 Mio. Anlagen, d.h. über 3 Millionen Bürger/innen sind Energieerzeuger.

An sonnigen Werktagen kann PV-Strom zeitweise bis zu 35%, an Sonn- und Feiertagen bis zu 50% unseres momentanen Stromverbrauchs abdecken.

Die beeindruckende Teilnahme vieler Millionen Bürger am Umbau unserer Energieerzeugung hat allerdings dazu geführt, dass, um die Netzstabilität und somit die Versorgungssicherheit nicht zu gefährden, der weitere Zubau vom Gesetzgeber eingeschränkt worden ist.

Persönlich bedaure ich die von den Großkoalitionären in Berlin getroffenen Entscheidungen, denn sie beschränken den Zubau zu einem Zeitpunkt, an dem die Wettbewerbsfähigkeit von PV-Anlagen erreicht wird.

Lassen Sie mich an dieser Stelle bitte einflechten: Deutsche Forscher, Ingenieure und Maschinenbauer, aber vor allem unsere Strom-Verbraucher, die mehrheitlich die Energiewendekosten mittragen, leisten einen bedeutenden Beitrag zur weltweilten Implementierung von sauberen Energien.

Dank unserer Vorleistungen profitieren nun weltweit die Stromverbraucher und machen sie unabhängiger von den Energiemonopolisten.

Wir haben hier eine milliardenschwere Entwicklungshilfe geleistet.

So, das muss einmal gesagt werden.

Liebe Kolleg/innen,

mit dem vorgelegten Antrag möchten wir natürlich nicht den PV-Zuwachs bremsen, zumal, wie dargelegt, die Wirtschaftlichkeit erreicht wird.

Sorgen bereitet uns der Vorschlag des Bundeswirtschaftsministers, ab 2016 Ackerflächen „in benachteiligten Gebieten“ für PV-Großanlagen zu genehmigen.

Die Beschränkung auf sogenannte benachteiligte Gebiete suggeriert zwar, dass der Landwirtschaft keine ackerbaulich wertvollen Flächen entzogen werden sollen, ist aber in der Praxis der Einstieg für weiteren Flächenverbrauch, den wir ja alle ansonsten vermeiden möchten.

Der durch die Biogaserzeugung ausgeweitete Maisanbau wird schon von Teilen der Öffentlichkeit kritisch beurteilt und zeigt uns die Sensibilität der Bürger beim Thema Landschaft.

Wir sollten die Akzeptanz der Stromerzeugung mittels PV-Anlagen nicht unnötig gefährden.

Die gewünschten Großanlagen können auf Industriebrachen, Konversionsflächen, Deponie- und ungenutzten Bahnflächen errichtet werden.

Aber brauchen wir in der Zukunft überhaupt solche bodengebundene Anlagen?

Die Befürworter des Ausschreibungsmodells sind offenbar sehr einfallslos und sollten sich schnellstens sachkundig machen ob der Fülle der technischen Möglichkeiten im Bereich der PV-Installationen.

Unter der Überschrift „Der neue Billigstrom“ hat die Wirtschafts-Woche schon im Juni 2013 (wer es nachlesen möchte: die Nr. 25 vom 17.06.2013) über die vielfältigen, praxistauglichen PV-Anwendungen berichtet.

Solarzellen werden künftig auf Stahl- und Glasfassaden laminiert. Lärmschutzwände liefern Billig-Strom und mittels einer Druckmaschine, Spezialtinte und einer Rolle Papier lassen sich Solarzellen herstellen. Zwei Din-A3-Bögen reichen zum Beispiel, um ein Handy zu laden.

Zugegeben, die breite Anwendung fehlt z.Zt. noch. Wer die Entwicklung der letzten Jahre aufmerksam verfolgt hat, muss allerdings keine Zweifel hegen und die Weitsicht besitzen, das Ende der herkömmlichen PV-Erzeugungsmodelle zu erkennen.

Jetzt noch Anlagen in die freie Landschaft zu setzen ist keine kluge Entscheidung und sollte unseren gemeinsamen Widerstand herausfordern.

Ich möchte noch ein weiteres, praktisches Argument gegen die Errichtung von zentralen Freiflächenanlagen „in benachteiligten Gebieten“ anführen; nämlich die Entfernung zum Verbraucher.

Gerade die PV-Anlagen sind geeignet, dort Strom zu produzieren und künftig auch zu speichern, wo der unmittelbare Verbrauch stattfindet.

Endlich sollten auch mittels Dach- oder Fassadenflächen die städtischen Mitbürger/innen von der Stromerzeugung wirtschaftlich profitieren, z.B. mittels Eigenanlagen, Energiegenossenschaften oder Stadtwerken.

Diese Entwicklung gilt es zu unterstützen, sie vermindert den Druck auf die Netzstabilität, erspart zusätzlichen Leitungsbau und die Inanspruchnahme der knappen Ressource Boden.

Bitte unterstützen Sie unseren Antrag und berücksichtigen Sie die künftigen Anwendungsfelder bei Ihren Beratungen.