Austausch und Kommunikation von Informationen kann nur durch direkten Kontakt bzw. durch korrekte Berichterstattung zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern stattfinden. Allerdings gestaltet sich das in der Praxis nicht immer ganz einfach, das haben vielfältige Erfahrungen gezeigt.

Vielmehr ist es ein ständiger Prozess:

An welcher Stelle kann Wissen über die Landwirtschaft und Ernährung vermittelt werden?

Wo holen Verbraucher ihre Informationen ein?

Wie erfolgt die Meinungsbildung?

Die Rohstoffpreise waren in diesem Jahr – 2016 – niedrig, entsprechend günstig die Angebote in den Lebensmittelläden,

Geht mit den niedrigen Preisen die Wertschätzung unserer landwirtschaftlichen Erzeugerpreise verloren?

Gibt es Handlungsperspektiven oder Vorschläge seitens der Politik, um die verschiedenen Interessen zu bündeln?

Ist die eingangs gestellte Frage nach einem Konsens möglich?

Eine Ja-Aber-Antwort werden Sie vielleicht erwarten,

Ich möchte aber gern gemeinsam mit Ihnen zu einem eindeutigen Ja kommen, d.h. für mich aber nicht, die extremen Forderungen von PETA und Co. zu akzeptieren.

Wir müssen die Herzen der großen Masse der Verbraucher erreichen und die Meinungsmacher in den Medien.

Geschieht ja schon, werden Sie einwenden.

  • Tage des offenen Hofes

  • Einladungen an Journalisten

  • Schulklassen auf den Höfen

  • Landfrauenvertreterinnen in den Schulen

  • Bauer Willi, alias Dr- Willi Kremer-Schillings

    Bauer Willie ist übrigens eins der erfolgreichsten Beispiele für eine positive Stimmungsmache…

    All diese guten Taten sind aber schnell vergessen – wenn einer von uns „Mist gebaut hat“, oder die bekannten „Aufklärer“ im Fernsehen unappetitliche Bilder aus der Tierhaltung zeigen.

    Hier beginnt unser Dilemma:

    Der Anspruch der Gesellschaft an die Landwirtschaft verändert sich. Gesellschaftliche Vorstellungen sind nicht immer deckungsgleich mit einer Tierhaltung, wie sie heute stattfindet. Das erfordert, insbesondere, wenn die gesellschaftliche Kritik von wissenschaftlichen Erkenntnissen gedeckt wird, eine Weiterentwicklung hin zu Verfahren, die Akzeptanz finden, aber gleichzeitig der bäuerlichen Landwirtschaft Raum zur Existenzsicherung und Weiterentwicklung bieten.

    Die strukturellen Entwicklungen haben sich mancherorts von einer bäuerlichen Landwirtschaft in geschlossenen Kreisläufen erheblich entfernt. Insbesondere in Regionen mit einem hohen Anteil an Geflügel- und Schweinehaltung sind zunehmend vor- und nachgelagerte Bereiche, wie z.B. Futtermittelhersteller, Inhaber der Ställe. Tierische Erzeugung findet immer bodenungebundener, zunehmend in landwirtschaftsfremder Hand und mit einer Finanzierung außerhalb der Landwirtschaft statt. Ländliche Regionen brauchen aber in Eigenverantwortung wirtschaftende Landwirte vor Ort statt überregionaler Agrar-Holdings und Veredlungsproduktion in der Hand vor- und nachgelagerter Unternehmen.

    In den letzten Jahren sind die Ställe heller und für die Tiere klimatisch günstiger, aber auch immer größer geworden. Wesentliche Bestimmungsgründe für die Größenentwicklung sind technischer Fortschritt und ökonomischer Druck. Durch Automatisierung und Digitalisierung ist es heute möglich, deutlich mehr Tiere sachgerecht zu halten, zu füttern, den Gesundheitszustand zu kontrollieren und ihr Verhalten zu beobachten. Tierschutz hängt nicht in erster Linie von der Größe der Tierhaltung ab, Aber je größer die Ställe, desto höher sind die Kontroll- und Managementanforderungen zur Sicherstellung von Tierwohl und Umweltschutz durch die Tierhalter.

    In veredlungsstarken Regionen steigen zudem die Herausforderungen u.a. beim Umgang mit dem in organischen Düngemitteln enthaltenen Stickstoff und Phosphat. Dabei kommt es zu weiteren Zielkonflikten zwischen Umweltschutz und Landwirtschaft. Diese Konflikte sind ausgewogen zu lösen. Tierhaltung in Deutschland muss tier- und umweltgerecht erfolgen.

    Unsere Nutztiere sind heute auf hohe Leistungen bei der Erzeugung von Milch, fettarmem Fleisch, hohen Nachkommenzahlen (Ferkel usw.) gezüchtet.

    Das geht oft einher mit dem Einsatz von Tierarzneimitteln, um die Tiere gesund zu erhalten. Ein hoher Einsatz von Antibiotika ist in der Tierhaltung ebenso kritikwürdig wie in der Humanmedizin. Tierhalter, die überdurchschnittlich häufig Antibiotika einsetzen, müssen deshalb Reduktionsmaßnahmen ergreifen. Dadurch sind die an Tierärzte abgegebenen Antibiotikamengen in den letzten Jahren um 53 Prozent gesunken. Diesen Weg gilt es konsequent weiter zu gehen mit dem Ziel einer europaweiten Regelung und der strikten Verringerung des Einsatzes von Reserveantibiotika.

    Das Problembewusstsein und in der Folge die Bereitschaft zu mehr Tierwohlmaßnahmen in der Landwirtschaft sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Es mangelt uns bisher aber an Finanzierungsmöglichkeiten des Mehraufwands. Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) schätzt diesen Mehraufwand auf drei bis fünf Mrd. Euro jährlich. Schon heute geltende Standards können oft nicht vollständig über die Verkaufserlöse am Markt realisiert werden. Mehrerlöse beim Handel für besondere Tierschutzstandards kommen kaum beim Landwirt an. Vielfach verbleiben sie zu einem großen Teil auf den Zwischenstufen der Wertschöpfungskette. Zudem ist nach wie vor der Preis für die meisten Verbraucher – auch die kaufkräftigen und kritischen – das entscheidende Kriterium beim realen Kaufverhalten. Das befördert auch Importe, da in den meisten Ländern der Erde zwar das Hygienebewusstsein wächst, die Tierschutzstandards jedoch noch nicht den Stellenwert wie in Mitteleuropa haben.

    Wie gehen wir damit um, welche Vorschläge hat die CDU zur Konsensbildung?

    Unser Ziel ist eine zukunftsfähige Tierhaltung in Deutschland. Sie muss Tierwohl gewährleisten, wettbewerbsfähig sein, und ohne nachhaltige Umweltschädigungen (Luft, Wasser, Boden, Biodiversität) betrieben werden können. Tierische Veredlungen und Flächenbewirtschaftung sollen wieder ein Stück weit zusammenwachsen. Eine solche Tierhaltung findet gesellschaftliche Akzeptanz.

    Wir wollen die bäuerliche Landwirtschaft stärken, die ökologisch, ökonomisch und sozial ausgerichtet ist und von in den Regionen verwurzelten Familienunternehmen getragen wird. Landwirtschaftliche Familienbetriebe fühlen sich langfristig verantwortlich, mit ihrem Boden und ihren Tieren sorgfältig umgehen. Deshalb ist es uns wichtig, dass die Tierhaltung in der Hand und im Eigentum der Landwirte bleibt.

    Die Leistungen der Tierhaltung in Deutschland wollen wir erhalten. An erster Stelle ist die Erzeugung qualitativ hochwertiger und sicherer Lebensmittel zu nennen, die im internationalen Vergleich heute schon hohen Tier-, Umwelt- und Naturschutzstandards gerecht werden. Die Wertschöpfung, die Wirtschaftskraft und der Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft, die die Tierhaltung im Zusammenspiel mit der Ernährungswirtschaft (Molkereien, Schlachthöfe, Metzger, Lebensmittelhersteller und Handel) erbringt, sowie ihren entscheidenden Beitrag zur Stabilisierung und Entwicklung der ländlichen Räume, gilt es zu sichern.

    Wir wollen Gesellschaft und Landwirtschaft zusammenhalten, verlässliche Rahmenbedingungen für die Landwirte gewährleisten und dem Verbraucher mehr Orientierung ermöglichen. Dafür brauchen wir eine umfassende Nutztierhaltungsstrategie, die einen agrar- und gesellschaftspolitischen sowie tier- und umweltverträglichen Rahmen beschreibt, um für Landwirte und Gesellschaft mehr Planungssicherheit, Akzeptanz und Transparenz zu schaffen.

    Unterstützung erwarten wir hierbei durch die Forschung und Entwicklung zu den Ursachen.

  • Ursachen von Schwanzbeißen, Federpicken usw. und der Entwicklung von Maßnahmen, die nicht-kurative Eingriffe am Tier – Kürzen der Oberschnäbel, Kupieren der Schwänze, Kastration von Ferkeln – überflüssig machen. Wir stehen zu den teilweise gesetzliche (Ende der betäubungslosen Ferkelkastration 2019) und teilweise in freiwilligen Selbstverpflichtungen festgelegten Terminen, aus der Praxis der nicht-kurativen Eingriffe auszusteigen und gleichzeitig praktikable alternative Verfahren zu entwickeln, Wir begrüßen, dass sich die Landwirtschaft an der Erarbeitung von Lösungen beteiligt. Derzeit ist der Anteil an Tieren, bei denen eine Haltung ohne Eingriffe gelingt, noch niedrig. Wir werden die Landwirte nicht alleine lassen, die gesellschaftlich gewünschten Standards erfüllen zu können. Vor allem müssen wir verhindern, dass bei einem Ausstieg aus Maßnahmen neue Tierschutzprobleme entstehen (Ebermast).

    Unsere Forderung schließt auch die Überführung von Techniken, z.B. die Geschlechtsbestimmung im Ei, die das Töten männlicher Küken verhindern, in die Praxis mit ein. Die Überführung der Technik in die praktische Anwendung hat baldmöglichst zu erfolgen.

  • Ziel ist es, besonders effiziente Tier- und Umweltschutzmaßnahmen zu erkennen, die insbesondere kleinere und mittlere Betriebe am einfachsten umsetzen können.

    Die Erhöhung von Tier- und Umweltstandards – sei es durch rechtliche Regelungen, durch den Handel oder durch Selbstverpflichtungen der Erzeuger – stellt eine große Herausforderung für bäuerliche Betriebe dar, ist aber auch mit zusätzlichen Marktchancen verbunden. Eine Beschleunigung des Strukturwandels, das Wegbrechen von regionaler Wirtschaftskraft bis hin zur Verlagerung größerer Teile der Tierhaltung ins Ausland wollen wir verhindern. Damit kleinere und mittlere landwirtschaftliche Betriebe hohe Tier- und Umweltstandards auch in Zukunft erfüllen und wirtschaftlich verkraften können, setzen wir uns für ausreichend lange Übergangszeiträume, in denen die Betriebe sich schrittweise auf die neuen Standards einstellen können, ein; ebenso für Vereinfachung im Bau- und Umweltrecht und von Baugenehmigungen bzw. Baugenehmigungsverfahren, um die zur Realisierung von Tier- und Umweltschutzstandards erforderlichen Umbauten zu ermöglichen. Die Privilegierung landwirtschaftlicher Stallbauten im Außenbereich muss erhalten bleiben. Dagegen lehnen wir Verbandsklagerechte ab, da sie zu großer Verunsicherung gerade in der bäuerlichen Landwirtschaft führen und auch im Sinne des Tierschutzes sinnvolle Stallneu- und –umbauten verzögern bzw. behindern können.

    Zum Abschluss meines Einführungsbeitrages nochmals der Hinweis: gesellschaftlicher Konsens ist auch eine Kommunikations- und Bildungsaufgabe.

    Zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft gibt es oftmals Missverständnisse. Kaum jemand kann sich davon freisprechen, in der Landwirtschaft einen Hort des Überschaubaren und Natürlichen sehen zu wollen. Allzu gerne gibt man sich idyllischen Vorstellungen vom Landleben hin und sehr viel weniger als in anderen Bereichen werden moderne Haltungsverfahren, wird der Einsatz moderner Technik und werden strukturelle Entwicklungen in der Tierhaltung akzeptiert. Befördert wird diese unrealistische Sichtweise durch die Bilder der Lebensmittelwerbung oder die Darstellung in Kinder- und Schulbüchern. Eine voreilige, an der Realität vorbeigehende und z.T. ideologisch motivierte Abstempelung von konventionell betriebener Landwirtschaft als sogenannte „Massentierhaltung“, Umweltverschmutzung usw. ist die Folge.

    Umso wichtiger ist eine gute Aufklärung über das, was Landwirtschaft heute wirklich ist, was sie leistet, welche Funktionen sie hat und wie sie in der heutigen Zeit arbeitet. Das gilt insbesondere für die Tierhaltung.

    Deshalb meine Forderung:

  • Eine verstärkte und verständliche Kommunikation von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Fakten über Tierwohl und umweltfreundliche Produktionsverfahren

  • Eine realistische Darstellung von Landwirtschaft im Schulunterricht und die Vermittlung von Kenntnissen über den Herstellungsprozess von Lebensmitteln. Jeder Schüler soll mindestens einmal auf einem Bauernhof gewesen sein.

  • Zielkonflikte, wie es sie gerade zwischen Tierwohl und Umwelt (Offenställe führen zu mehr Emissionen) gibt, offen anzusprechen und mit den Bürgern zu diskutieren.

  • Ernährungsbildung in der Schule durch die Länder verpflichtend zu machen

  • Im Rahmen der Verbraucherbildung und staatlicher Verbraucheraufklärung den Zusammenhang von Qualität und Preis und den Wert von Lebensmitteln zu vermitteln. Qualität für Verbraucher setzte auskömmliche Preise für die Landwirte voraus. Teure Grille und teure Küchen, aber billigste Lebensmittel, das passt nicht zusammen.

    Mein Fazit am Beispiel der Tierhaltung:

    Wir brauchen den Konsens, d.h., wir müssen uns den Wünschen der Gesellschaft stärker öffnen als wir das bisher getan haben, um die emotionale Bindung zum Verbraucher nicht zu verlieren und um ordnungspolitische Maßnahmen zu verhindern.